Silvesterlauf e.V.

Historisches

1990

„007“ kommt in geheimer Mission, haut den deutschen 10.000-Meter- Rekordler vom Favoritenschild, und stürmt mit erhobenen „Goldfingern“ über den Zielstrich auf dem Hauptmarkt. Ja wirklich, vom 1. Trierer Silvesterlauf ist die Rede. Der Mann mit der Bond-Nummer „007“ auf der Brust ist Olaf Dorow, und der 27 Jahre alte Rostocker schlägt bei am Ende strömendem Regen im 8-km-Lauf der Asse den früheren Vorzeige-Langstreckler der DDR, Werner Schildhauer, Vize-Weltmeister von 1983 über 10.000 Meter. So spannend wie ein Bond-Krimi ist das Rennen allemal, erst auf der Zielgeraden setzt sich Dorow ab. Dahinter spurten osteuropäische und deutsche Spitzenläufer um die Plätze. Veranstalter des ersten Trierer Silvesterlaufs ist der SV Eintracht-Trier 05; geistige Väter sind Christoph Güntzer und Berthold Mertes, die mit einer kleinen Helferschar ins Rollen bringen, was sie zu diesem Zeitpunkt allenfalls ahnen: Dass Trier binnen weniger Jahre zu einem der renommiertesten Silvesterläufe der Welt aufsteigt – zum „deutschen Sao Paulo“.

1991

Boom: Nahezu 10.000 Menschen schauen zu, wie sich Joseph Keino, in jenem Jahr viertschnellster 10.000-Meter-Läufer der Welt, und Sammy Maritim einen packenden Zweikampf liefern. Bei für die Jahreszeit außergewöhnlich guten Bedingungen (gut 10 Grad und trocken) hetzen sich die beiden Kenianer gnadenlos. Das Resultat: Ein auf Jahre hinaus gültiger Super-Streckenrekord. Die 22:26 Minuten sind 1991 die schnellste in der Welt erzielte Zeit über die in den USA häufig gelaufene 8-km-Distanz.Veranstalter ist der TV Germania Trier, dem sich zwischenzeitlich die Läufergruppe des SV Eintracht komplett angeschlossen hat. Im Gegensatz zur Silvesterlauf-Premiere sind diesmal auch bei den Frauen Preisgelder ausgesetzt. Daher geht ein internationales Top-Feld an den Start. Es gewinnt Cross-Mannschaftsweltmeisterin Helen Kimaiyo vor Tegla Loroupe, der späteren Marathon-Weltrekordlerin und dreimaligen Halbmarathon-Weltmeisterin.

1992

Das Duell zwischen Guido Streit und Martin Block zieht bei herrlichem Winterwetter mehr als 10.000 Zuschauern in ihren Bann – bis dato Zuschauerrekord! Der Trierer Streit vom ausrichtenden TV Germania reißt nach fünf Kilometern die Arme hoch. In einem Foto-Finish hat er den Leverkusener Block in großartigen 15:05 Minuten geschlagen, die noch heute Jugendlauf-Rekord sind. „Das ist das geilste Rennen“, sagt der damals 18-jährige Guido Streit, dessen Talent den Silvesterlauf-Gründern Berthold Mertes und Christoph Güntzer bei der Veranstaltungspremiere 1990 aufgefallen war. Inzwischen trägt der weiterhin von seinem ersten Coach Berthold Mertes trainierte Tischler das Trikot des TSV Bayer 04 Leverkusen. Und zählt zur nationalen Elite: 1999 war Streits bislang beste Saison mit DM-Bronze über 3.000 m und der Steigerung auf 7:56,14 Minuten über 3.000 m und auf 13:52,17 über 5.000 m. 2001 wurde er deutscher Vizemeister im Crosslauf. Block wurde 1999 DM-Zweiter über 10.000 m, beim Bit-Silvesterlauf 2000 brach er in die Phalanx der afrikanischen Spitzenläufer ein und wurde glänzender Dritter, Guido Streit Zwölfter. Wolf-Dieter Poschmann gibt sein Kommentatoren-Debüt auf dem Hauptmarkt.

1993

Kein Hindernis für einen der besten Hindernisläufer der Welt: der Kenianer Gideon Chirchir schafft es als erster Athlet, zweimal in Folge beim Trierer Silvesterlauf zu gewinnen. Sammy Maritim verpasst zum drittenmal in Folge nur hauchdünn den Sieg. 1991 war er Zweiter, 1992 Dritter, und jetzt schon wieder Zweiter. Sechs Afrikaner unter den ersten Zehn! Obwohl die äußeren Bedingungen (strömender Dauerregen) die bis dahin schlechtesten seit der Premiere sind, läuft Chirchirs Landsfrau Margaret Kagiri in 16:06 Minuten Streckenrekord für die im Vorjahr anstelle der 4 Kilometer eingeführte 5-km-Distanz. Das miese Wetter kann über 300 Aktive nicht vom Start im Volkslauf der Männer abhalten. Viele Youngster starten bei der extremen Witterung jedoch nicht, folglich sinkt die Gesamt-Teilnehmerzahl unter 900.

1994

Zwischentief. Zur Jahreswende von 1994 auf 1995 steht Silvesterlauf-Veranstalter TV Germania Trier am Scheideweg. Entweder der Etat wird künftig kräftig erhöht, oder internationale Topbesetzungen gehören bald der Vergangenheit an. Diesmal werden erstmals die Preisgelder gekürzt und kaum noch Antrittsprämien gezahlt. Dennoch rennt Asphalt-König Laban Chege, einer der weltbesten Straßenläufer, im Alleingang mit 22:45 Minuten die bis dato zweitschnellste Zeit im Lauf der Asse. Die Fünftplatzierten liegen bei Männern wie auch Frauen jedoch schon deutlich zurück, im fünften Veranstaltungsjahr sinkt die Gesamt-Teilnehmerzahl auf den zweitniedrigsten Stand. Zum fünftenmal in Folge gewinnt Saar 05 Saarbrücken die Teamwertung der Männer. Bei den Frauen gelingt CA Luxembourg nach Post-SV Trier (2x), SC Cottbus und TV Herxheim der erste ausländische Klub-Erfolg.

1995

Danke, ein Bit! Der kleine Zusatz im Namen des Trierer Silvesterlaufs bewirkt Großes. Dank der Titelsponsorschaft durch die Bitburger Braugruppe ist die Zukunft als Spitzensport-Ereignis vorerst gesichert. Durch Schnee und Eisregen bleiben einige Athleten bereits vor dem Start auf der Strecke. Etliche Silvesterläufe in Deutschland werden abgesagt. Trier nicht. „Ein Wunder, dass gelaufen werden kann. Das hätte ich noch heute morgen nicht geglaubt.“ Mit diesen Worten eröffnet Schirmherr Helmut Schröer die Wettkämpfe. Die städtischen Streudienste haben ganze Arbeit geleistet und die kritisch glatten Stellen auf der 1-km-Runde entschärft, dennoch leiden die Zeiten naturgemäß. James Kariuki, der Führende im Cross-Weltcup, sorgt für den fünften Kenia-Erfolg in Serie auf Triers Pflaster. Bis zuletzt heizt ihm jedoch sensationell Thorsten Naumann ein, der als bester Deutscher Stephane Franke (4.) schlägt. Den ersten deutschen Frauen-Erfolg seit der Silvesterlauf-Premiere macht Andrea Fleischer perfekt.

1996

Überraschungssieger: Als zweiter Deutscher nach dem Rostocker Olaf Dorow im Premieren-Jahr 1990 gewinnt Thorsten Naumann den Lauf der Asse. Minusgrade machen dem Eifel-gestählten langen Blonden aus Mayen weniger zu schaffen als den Athleten aus Afrika. Der rutschige Untergrund – mehrmals muss die Strecke vom Schnee geräumt werden – trägt ebenfalls zum „Favoritensterben“ bei. Stephane Franke, Europameisterschaftsdritter über 10.000 Meter, wird nur Zwölfter – ein Zeichen für das stark besetzte Läuferfeld. Luminita Zaituc schafft als erste Frau den zweiten Sieg in Trier. Erstmals hatte die gebürtige Rumänin, die inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, 1994 gewonnen. Die Siegerzeiten sind die schwächsten seit dem Premierenjahr. Die Goldmedaille gebührt erneut den wetterfesten Helfern der Stadt Trier und des TV Germania. Erstmals sind die Sambatrommler mit von der Partie, erstmals werden auch Konfetti und Wunderkerzen ans Publikum verteilt. Der Mythos vom „deutschen Sao Paulo“ ist endgültig begründet.

1997

Rekord-Jahr: Nach zwei Jahren mit extrem schlechten Witterungs-Bedingungen (1995 Eisregen, 1996 Schnee) hagelt es diesmal Bestleistungen bei optimalen Temperaturen um zwölf Grad: Der Vorjahreszweite Isaac Kariuki aus Kenia rennt die Konkurrenz in Grund und Boden, bleibt in 22:21 Minuten fünf Sekunden unter der Strecken-Bestmarke seines Landsmannes Joseph Keino bei dessen Rekordrennen 1991. Beeindruckend, wie der Afrikaner auf den letzten beiden Runden das teuflisch hohe Tempo hält. Dank des Streckenrekord-Jackpots erhält Kariuki die bislang höchste Prämie in Trier: 5500 Mark. Im Frauen-Lauf fällt ebenfalls die alte Marke: Die Kenianerin Leah Malot ist in 15:46 Minuten gleich 20 Sekunden schneller als Margaret Kagiri vier Jahre zuvor. Die erneut 10.000 Zuschauer sind vom Foto-Finish gegen die zweimalige Silvesterlauf-Siegerin Luminita Zaituc (15:47) begeistert. Es ist der dritte kenianische Doppel-Triumph bei Männern und Frauen in der Historie des Bitburger-Silvesterlaufs in Trier.

1998

Der Stern von Irina Mikitenko geht auf. Die gebürtige Kasachin, 1996 nach den Olympischen Spielen mit ihrer deutschstämmigen Familie nach Deutschland ausgewandert, vollzieht als Silvesterlauf-Siegerin in Trier den Sprung in die Weltklasse, den sie in der folgenden Saison mit Platz vier bei der WM in Sevilla und zwei deutschen Rekorden krönt. Auch im Feiern beweist Irina Mikitenko in Trier Weltklasse: Ins neue Jahr „rutscht“ sie gemeinsam mit Marathon-Legende Katrin Dörre-Heinig und Luminita Zaituc. Was ihnen offensichtlich so gut gefällt, dass sie – erneut mit der Familie – auch den Jahrtausendwechsel in Trier erleben wollen. Wie Mikitenko (nur zwei Sekunden über dem Streckenrekord) bietet auch der Sieger des Bitburger-Lauf der Asse Daniel Gachara beim siebten Kenia-Triumph in neun Jahren eine glänzende Vorstellung: In 22:35 Minuten läuft er auf Rang vier der ewigen Trierer Silvesterlauf-Bestenliste.

1999

Millenniumsfieber! Der Jahrtausendwechsel bringt ein bisher nicht erlebtes läuferisches Feuerwerk nach Trier. Nie waren der Bit-Lauf der Asse und vor allem der Sparkassen-Lauf der Frauen so stark besetzt. Ein Beleg: Thorsten Naumann, Sieger von 1996, wird nur 16., obwohl er nur wenige Sekunden langsamer ist als bei seinem Triumphlauf drei Jahre zuvor. Daniel Gachara verteidigt seinen Titel, muss aber gegen die Äthiopier Abiyote Abate und Dagne Alemu aus dem Rennstall des niederländischen Topmanagers Jos Hermens im Spurt alles geben. Das Frauenrennen zieht die Zuschauer nicht minder in den Bann und wird ebenfalls erst auf den Schlussmetern entschieden. Streckenrekordlerin Leah Malot gewinnt ihren zweiten Titel in Trier nach 1997. Allerdings muss sie bis auf den Zielstrich zittern, um die ebenfalls zweimalige Siegerin Luminita Zaituc und die durch eine Erkältung gehandicapte Vorjahresgewinnerin Irina Mikitenko auf die Plätze zwei und drei zu verweisen. Die wiederum von Sambatrommlern angeheizte Stimmung kocht. Wenige hundert Meter weiter und ein paar Stunden später zelebriert ein Großteil der Asse gemeinsam mit den Trierern im Anblick der in rotes Licht getauchten Porta Nigra den Jahrtausendwechsel.

2000

Kraftakt. Nach sieben Jahren hat Michael Venz als Organisationsleiter aufgehört. Die arbeitsintensive Aufgabe, nach der sich keiner drängt, übernimmt erst Ende Oktober quasi „fünf vor Zwölf“ Holger Lau-Resch. Das Orga-Team rauft sich zusammen, die Aufgaben werden auf mehr Schultern verteilt, es finden sich sogar neue Mitstreiter, und am 31.12. läuft alles wie geschmiert. Am Ende steht der vielleicht stimmungsvollste aller bisherigen Bit-Silvesterläufe. Das Sportliche stimmt hundertprozentig, weil die Topathleten Verständnis für die angespannte finanzielle Lage zeigen und zu vergleichsweise bescheidenen Konditionen starten. Ein sensationelles Frauenrennen begeistert die Trierer. Es ist eine Tempohatz, an deren Ende ein fantastischer Streckenrekord durch Lornah Kiplagat steht. Mit irrem Tempo vom Start weg zermürbt die Weltklasse-Marathonläuferin aus Kenia ihre Konkurrentinnen, nach drei Kilometern reißt die Lücke. Das Ende ist grandios und dramatisch. In 15:15 Minuten bleibt Kiplagat 31 (!) Sekunden unter der drei Jahre alten Strecken-Bestmarke von Leah Malot. Nach unglaublicher Aufholjagd in der letzten der fünf Runden fehlt Irina Mikitenko nur eine Sekunde an Sieg und Rekord, Leah Malot bleibt als Dritte in 15:18 ebenfalls deutlich unter dem alten Rekord. Eine weitere Marke fällt. So viele Zuschauer wie an diesem Sonntag bei optimaler Witterung kamen noch nie: nach Schätzungen rund 15.000! Der Mythos lebt.

2001

Kult. Das Dutzend ist voll, der Bit-Silvesterlauf in Trier hat mit seiner 12. Auflage endgültig Kult-Status erreicht. Davon können sich knapp fünf Millionen TV-Zuschauer in den heute-Nachrichten des ZDF überzeugen. Erstmals ist das „deutsche Sao Paulo“ als stimmungsvollster und bestbesetzter der rund 100 Silvesterläufe hierzulande im „großen“ Fernsehen zu sehen. 15.000 Zuschauer bei herrlichem Winterwetter bilden vor der historischen Altstadtkulisse einen prächtigen Rahmen für ein berauschendes Sportfest im Zentrum der ältesten Stadt Deutschlands. Die Kenianer Daniel Gachara (nach 1998 und 1999) sowie Leah Malot (nach 1997 und 1999) gewinnen jeweils zum dritten Mal die Hauptrennen. Marokkos Hindernis-Weltrekordler Brahim Boulami ist geschlagener Sechster im Bit-Lauf der Asse, der Wattenscheider Carsten Schütz unterliegt Gachara erst im Spurt und sorgt damit für das beste deutsche Ergebnis seit dem Sieg von Thorsten Naumann im Jahr 1996. Das Organisationsteam – erstmals unter der Leitung von Edgar Spell – hat glänzende Arbeit geleistet, die Nachwuchsbeteiligung (insgesamt rund 400 Kinder und Jugendliche) ist dank des Engagements des Trierer Grundschullehrers Norbert Ruschel rekordverdächtig.

2002

Hoch-Zeit. Der Bit-Silvesterlauf bewegt sich auf höchstem Level – was Teilnehmerzahl (1517 Meldungen), Spitzenleistungen, Zuschauerresonanz (etwa 15.000) und Stimmung anbelangt. Dienstjubiläum feiert Wolf-Dieter Poschmann, der zum zehnten Mal moderiert. Die kurioseste Story schreibt diesmal die Freizeitmannschaft „Gelber Helm“, seit Jahren Stammteilnehmer in Trier. Für einen der ihren wird dieser 31. Dezember 2002 einer der schönsten Tage im Leben. Unvergesslich – auch für seine künftige Frau. Runde eins: Die „Helme“ tragen ein Transparent mit der Aufschrift „Hallo Steffi“. Völlig unverfänglich. Trotzdem hüpfte Stefanie Elsens Herz ein wenig vor Freude: „Bin ich gemeint?“ Ihr Partner Arno Beller war schließlich mit im Rennen. „Ja, du, Stefanie Elsen“, bestätigte die lustige Truppe in Runde zwei. Was sollte jetzt kommen? „Willst Du mit mir durchs Leben laufen?“ – „Bei gutem und bei schlechtem Wetter?“ – „Auf hügeligen und flachen Wegen?“ Inzwischen pochte das Herz der Triererin schneller als das von Edith Masai bei ihrem brutalen Tempolauf im 5-Kilometer-Frauenrennen in der zweitbesten Siegzeit (15:29 Minuten) in 13 Veranstaltungsjahren. „Gib mir Deine Antwort im Ziel“ forderte Arno Beller in Runde sechs auf. „Noch fünf Minuten“, hieß es nach Runde sieben. Aufschrift im Zieleinlauf: „Anwort hier abgeben“ mit Pfeil auf Arno Beller. „Ich habe Steffis ,Ja’ schon 300 Meter vor dem Ziel gehört“, behauptet der. Trotz Samba-Trommeln, Trillerpfeifen und Beifallsstürmen der Zuschauer. Die feierten auch den deutschen 10.000-m-Meister Alexander Lubina, der im knappsten Asse-Finish der Bit-Silvesterlauf-Geschichte Platz zwei hinter dem Kenianer Wilson Chemweno belegte. Die fünf Erstplatzierten kamen binnen zwei Sekunden ins Ziel.

2003

Brasilianisches Trier

„Brasilianischer als Trier war nur São Paulo“ – so titelten nach dem 14. Bit-Silvesterlauf viele deutsche Tageszeitungen. Vom „São Paulo an der Mosel“ war die Rede. Der Kultcharakter des Bit-Silvesterlaufs festigte sich. Deutschlandweit – auch dank der besten Fernsehpräsenz in 14 Veranstaltungsjahren. Mehr als vier Millionen Zuschauer sahen den Beitrag in den „heute“-Nachrichten des ZDF, ausführlich berichteten RTL Luxemburg und das 3. Programm des SWR. Rekordquoten gab es auch in den Printmedien. Fotos vom Bit-Lauf der Asse oder dem TV-Elitelauf der Frauen fanden ein Drittel aller deutschen Zeitungsleser am 2. Januar in den Sportteilen. Ein tolles Ergebnis in Zeiten knapper Kassen, in denen das mediale Echo für Veranstalter wichtiger denn je geworden ist.

Die 15.000 an der Strecke waren wiederum restlos begeistert und bescherten der Rekordteilnehmerzahl (1777 Meldungen/1468 Finisher) das ultimative Hochgefühl, das Trierer Silvesterläufern vorbehalten ist. Der Männer-Volkslauf, der erstmals über die auf 1,6 km verlängerte Runde führte, war trotz der dadurch ermöglichten Erhöhung des Teilnehmerlimits von 400 auf 600 wie in den Vorjahren schon zwei Wochen vor Silvester ausgebucht.

„Nur das Konfetti im Mund hat gestört“, meinte der Leverkusener Mario Kröckert, der als Dritter die tollen Rennen der deutschen Außenseiter gegen afrikanische Konkurrenz nach den zweiten Plätzen von Carsten Schütz (2001) und Alexander Lubina (2002) fortsetzte. Rekordgewinner Daniel Gachara feierte seinen vierten Triumph in Trier nach 1998, 1999 und 2001, es war der 12. Sieg eines Kenianers im 14. Jahr. Publikumsliebling im erstmalig ausgetragenen eigenen Frauen-Eliterennen war die viertplatzierte Sabrina Mockenhaupt beim Triumph der Kenianerin Susan Kurui, die im Spurt vor Eyerusalem Kuma den ersten äthiopischen Erfolg in Trier knapp vereitelte.

2004

Sololäufer für den Wüstenstaat Bahrain

Der Bit-Lauf der Asse bescherte ein furioses Rennen – und keineswegs langweilig, obwohl der Sieger sich vom Start weg klar absetzte. Mushir Salim Jawher versuchte in einem beeindruckenden Sololauf über die 8-km-Distanz wirklich alles. Aber allein auf sich gestellt verpasste der gebürtige Kenianer, nun Staatsangehöriger des Wüstenstaats Bahrain, den Streckenrekord von Isaac Kariuki aus dem Jahr 1997.

Jene 22 Sekunden, die 5000-m-Weltklasseläufer Jawher am Ende auf Kariukis Maß von 22:21 Minuten fehlten, hatte er wohl auf dem regennassen, rutschigen Pflaster liegen lassen. Nach Rennhälfte lag Jawher mit der Zwischenzeit von 11:08 noch klar auf Rekordkurs, dann litten die rund 15.000 Zuschauer am Streckenrand mit ihrem Helden, dessen Mut zwar nicht mit einem Rekord, aber einem herausragenden Sieg belohnt wurde. Bester Deutscher wie im Jahr zuvor war der Leverkusener Mario Kröckert, diesmal als Sechster.

Eine Premiere gab es im TV-Elitelauf der Frauen: Die Cross-WM-Dritte Teyiba Erkeso sorgte für den ersten äthiopischen Sieg bei der 15. Auflage des „deutschen Sao Paulo“ – vor zwei weiteren Ausnahmeläuferinnen aus dem Lande von Lauflegende Haile Gebrselassie. Sabrina Mockenhaupt als beste Deutsche spurtete an Vorjahressiegerin Susan Kurui aus Kenia vorbei. „Mocki“ hatte im Vorfeld als erste offizielle Botschafterin für den Bit-Silvesterlauf die Werbertrommel gerührt. „Einmal in Trier zu gewinnen, wäre ein Traum“, sagte sie. Ein Jahr später wurde ihr Wunsch Wirklichkeit – aber das steht in Kapitel 16 …

2005

„Mocki“ überstrahlt alles

Es war ein besonders denkwürdiger Silvestertag. Überstrahlt vom ersten deutschen Sieg nach sieben Jahren durch Sabrina Mockenhaupt, kosteten beim 16. Bit-Silvesterlauf etwa 15.000 Zuschauer und 1.500 Teilnehmer jede Menge Hochgefühle aus. Kulisse: Trier, eine der schönsten Städte Deutschlands. Zutaten: Konfetti, Trillerpfeifen, Sambatrommeln, sowie eine Mischung aus Weltklasse-, Nachwuchs- und Breitensport. All das sprichwörtlich als „Deutsches Sao Paulo“ bekannt.

Ebenso wie Mockis Sieg berauschte auch Irina Mikitenkos glänzendes Comeback nach Babypause das Publikum. Die 33 Jahre alte Siegerin von 1998, deren Erbe die acht Jahre jüngere Mockenhaupt nun angetreten hat, jubelte auf der Zielgeraden ausgelassen und nahm dann als Erstes ihr am 7. Juli 2005 geborenes Töchterchen Vanessa in den Arm.

Ein Bild des Glücks gab auch Moses Kipsiro ab. Die Konfetti-Schnipsel klebten nach dem Zielspurt im freudestrahlenden Gesicht des 19-Jährigen aus Uganda, der am Vortag bei seiner Ankunft auf dem Luxemburger Flughafen erstmals in seinem Leben Schnee gesehen hatte. Gut möglich, dass keine 24 Stunden danach auf dem Trierer Hauptmarkt ein neuer Läuferstern aus Afrika aufgegangen ist. Der letzte von überhaupt erst zwei deutschen Triumphen bei den Männern ist nun schon Ewigkeiten her (Thorsten Naumann 1996).

2006

Wie glückliche Kinder

Kurz nach Mitternacht fühlten sich alle wie glückliche Kinder. Moses Kipsiro stand das Lächeln dauerhaft ins Gesicht geschrieben. Der Afrikameister feierte im Athletenhotel Mercure Porta Nigra unter 80 Silvesterlauf-Gästen mit der einzigen in Trier lebenden Frau aus Uganda und deren Familie seinen zweiten Sieg in Folge beim „deutschen Sao Paulo“. Catherine, so ihr Name, hatte Moses zur Siegerehrung eine übers Internet ersteigerte Flagge Ugandas überreicht, in die Kipsiro sich bei der Preisübergabe hüllte.

Kurz nach Mitternacht hantierte Europameister Jan Fitschen im Angesicht der altehrwürdigen Porta Nigra mit Feuerwerksmaterial und ließ es im wahrsten Sinne so richtig krachen. Wie wenige Stunden zuvor auf der Silvesterlauf-Runde als Vierter und damit bester Deutscher in einem Weltklasse-Rennen.

Auch Ulrike Maisch, die Sensations-Europameisterin im Marathon, Deutschlands erste überhaupt, schmückte den Silvesterlauf Nummer 17 und strahlte wie ein glückliches Kind. Kurz nach Mitternacht stieß die Rostockerin mit Irina Mikitenko an, die ihren zweiten Trier/-riumph nach 1998 nur knapp verpasste, hinter der Äthiopierin Belayneh Fekadu aber das Duell gegen Vorjahressiegerin Sabrina Mockenhaupt gewann.

2007

Hoher Promi-Faktor

Die hochkarätigste Prominenz stand diesmal in einem Volkslauf an der Startlinie: Birgit Fischer, als achtmalige Kanu-Olympiasiegerin erfolgreichste deutsche Sportlerin aller Zeiten, hatte sichtlich ihren Spaß, als sie im Auto-Hoff-Lauf der Frauen als 190. von 289 Frauen das Ziel erreichte. Fischer krönte damit vorläufig die Reihe prominenter Sportler aus anderen Disziplinen, die der weit über den Laufsport hinaus bekannten Faszination des „deutschen Sao Paulo“ bereits gefolgt sind. Wie in den Jahren zuvor beispielsweise auch Diskus-Olympiasieger Lars Riedel oder der frühere Schwimm-Weltmeister Christian Keller.

Neben dem dritten Triumph in Folge für Moses Kipsiro im Bitburger-Lauf der Asse und dem deutschen Sieg im Sparkassen-Elitelauf der Frauen durch Sabrina Mockenhaupt bleiben nicht zuletzt zwei Rekorde in bester Erinnerung: Der durch Lokalmatador Thorsten Baumeister, der den 17 Jahre alten Streckenrekord von Guido Streit im Sport-Simons-Lauf der männlichen Jugend auf herausragende 14:52 Minuten verbesserte, und der Teilnehmerrekord: 1.647 Läuferinnen und Läufer erreichten das Ziel.

2008

Glatt gelaufen

Alles glatt gelaufen – im doppelten Sinne. Trotz Eisregens am Morgen des 19. Bitburger-Silvesterlaufs ging (fast) alles gut über die Bühne der Trierer Altstadt. Natürlich erreichte die Stimmung am 31. Dezember 2008 nicht ganz den Siedepunkt des Vorjahres. Zu extrem waren die äußeren Bedingungen, mit denen Teilnehmer, Zuschauer, nicht zuletzt aber die schon im Morgengrauen mit dem Aufbau beschäftigten Helfer zu kämpfen hatten.

So widrige Umstände hatte es seit der Silvesterlauf-Premiere im Jahr 1990 zuvor erst einmal gegeben. Das war 1995. Damals wie dieses Mal wurde die 1-km-Runde durch die City dank der städtischen Streudienste in eine rutschfeste Zone verwandelt. Das Spektakel konnte beginnen. Rund um Trier blieben die Straßen glatt. Kein Wunder, dass die neuerliche Steigerung des Melderekordes auf 2082 „nur“ in die zweitbeste Finisherzahl der Trierer Silvesterlauf-Geschichte mündete (1532).

Die vielen tausend Zuschauer, die dem nasskalten Wetter trotzten, machten dem Ruf des „deutschen Sao Paulo“ mit Trillerpfeifen und kiloweise Konfetti erneut alle Ehre. Traditionell eröffneten leicht bekleidete Sambatänzerinnen mit buntem Feder-Kopfschmuck zu heißen Rhythmen das Programm. Für einen Moment blinzelte sogar die Sonne durch die Wolken.

Bei der Siegerehrung war Sabrina Mockenhaupt groß auf der erstmals aufgestellten Videowand zu sehen. Leider nicht als strahlende Gewinnerin wie im Vorjahr, sondern als Ehrende. Eine Knieverletzung vereitelte ihre Titelverteidigung schon im Vorfeld. Neben „Mocki“ mussten auch die erkrankte Irina Mikitenko sowie Europameister Jan Fitschen (Fußprobleme) auf die Teilnahme verzichten. Dennoch zeigten sich die drei deutschen Topstars den Fans in Trier, gaben Startschüsse, ehrten Sieger.

Wer einmal an Silvester in Trier am Start war, der kommt liebend gern wieder.

2009

Haile triumphiert beim Jubiläum

Das Jubiläum des Bitburger-Silvesterlaufs in Trier wurde zum rauschenden Fest. Die prominenten Gäste- und Ergebnislisten sagen mehr als 1.000 Worte: An erster Stelle zu nennen natürlich Lauf-König Haile Gebrselassie, der auf sympathischste Weise die Herzen der Trierer im Sturm eroberte, dann die Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius als Deutschlands Sportlerin des Jahres 2009,  ZDF-Sportreporter-Ikone Wolf-Dieter Poschmann, die weltbeste Marathonläuferin Irina Mikitenko, Silvesterlauf-Botschafterin Sabrina Mockenhaupt, Olympiasieger Dieter Baumann, und und und … Die Jubiläumsfeier in der Silvesternacht in den Viehmarkt-Thermen geriet zu einem gesellschaftlichen Ereignis ersten Ranges.

Der 20. Bitburger-Silvesterlauf in Trier mit rund 2.000 Teilnehmern und 20.000 Zuschauern steht für ein gigantisches Volksfest, ganz großen Sport und eine höchst erfolgreiche Image-Kampagne für die älteste Stadt Deutschlands. „Das Jubiläum war die Krönung in der Erfolgsgeschichte dieses Laufes“, äußerte Schirmherr Klaus Jensen begeistert: „Das Medienecho hat Ausmaße angenommen, die der Stadt Trier die Möglichkeit geben, sich als gastfreundliche Stadt weltweit zu präsentieren.“

Wer Anfang Januar die Suchbegriffe „Trier“ und „Gebrselassie“ in die Internet-Suchmaschine Google tippte, erhielt 46.300 Treffer. Unter anderem berichteten selbst in China (Xinua) und Australien (AAP) die großen Nachrichtenagenturen. Fast in allen Berichterstattungen fand das „deutsche Sao Paulo“ Erwähnung vor dem einst weit entfernten Vorbild des seit 1925 ausgetragenen weltweit ersten Silvesterlaufs in Brasilien.

Haile Gebrselassie  regierte Trier. Gezeichnet vom Lauf, weniger von der Anstrengung als von Dutzenden Konfetti-Schnipseln, die in seinem Gesicht klebten, setzte der französische Lauf-Clown Michel Descombes dem Herrscher der langen Laufdistanzen eine Krone auf. Es war das Bild des Tages, bundesweit in den ersten Zeitungen des Jahres zu sehen und weltweit via Internet verbreitet: Haile als König von Trier.

Der tosende Applaus der vielen Tausend Zuschauer auf dem Hauptmarkt bei der Siegerehrung zeigte, dass die Fans es dem Äthiopier nicht übel nahmen, dass er „nur“ gewonnen hatte. „Ich nehme die Schuld auf mich, denn ich hatte mich verrechnet“, erklärte der 27-malige Weltrekordler: „Ich dachte eingangs der letzten Runde, es reicht für den Streckenrekord. Aber ich hatte die verlängerte Zielgerade vergessen. Das darf nicht passieren.“

Kein Wort davon, dass er in der ersten Runde etwa zwei Sekunden liegen ließ, weil er einen Schlenker hinter dem abbiegenden Führungsfahrzeug machte. Olympiateilnehmer Arne Gabius, nach einer Runde noch an Haile dran und am Ende als Vierter bester Deutscher, beorderte den Superstar mit Gesten und Rufen auf die Ideallinie zurück. Auch der Regen, der ausgerechnet wenige Minuten vor dem Startschuss einsetzte und die Strecke rutschig machte, diente Haile nicht als Ausflucht. Ebenso wenig die Konfetti-Wolken, durch die er sich bei seinem Solo-Lauf gegen die Uhr kämpfen musste. Die Stoppuhren im Ziel zeigten 22:22,5 Minuten, nur 1,5 Sekunden über dem weiterhin gültigen Streckenrekord des Kenianers Isaac Kariuki aus dem Jahr 1997. Nach Straßenlaufregeln aufgerundet stehen nun 22:23 für den wohl besten Langstreckenläufer aller Zeiten in den Trierer Annalen.

2010

„Mockis“ dritter Sieg im Jahr eins nach Haile

Die Erinnerung an Haile und das Spektakel rund um den äthiopischen Ausnahmeläufer ist selbstverständlich noch präsent. Doch auch auf Normalmaß bietet das „deutsche Sao Paulo“ ein unvergleichliches Läuferfest.

Daran ändert auch die kurzfristige verletzungsbedingte Absage des dreimaligen Trier-Siegers Moses Kipsiro (2005 bis 2007) nichts. An seiner Stelle kommt Kenias Olympiadritter Micah Kogo, zwei Jahre zuvor schon einmal gefeierter Triumphator auf dem Hauptmarkt. Dazu eine starke europäische Elite, begleitet von den größten Namen, die Deutschlands Läuferszene aktuell zu bieten hat: Arne Gabius, Carsten Schlangen und André Pollmächer.

Kein Europäer kann den Kenianer aufhalten, dennoch sehen wir einen äußerst spannenden Asse-Lauf mit deutschen Top-Ergebnissen: Platz zwei für den von Dieter Baumann trainierten Tübinger Gabius vor dem starken Polen Mariusz Gizynski und dem Holländer Patrick Stitzinger, auf den Rängen fünf und sieben Pollmächer und 1.500-m-Vizeeuropameister Schlangen.

Im Elitelauf der Frauen wird das geplante Teilnehmerfeld durch den frühen Wintereinbruch 2010 und damit einhergehende Verletzungen in den letzten Wochen nachhaltig reduziert. Bahn frei also für Sabrina Mockenhaupt und ihren dritten Sieg nach 2005 und 2007 bei ihrem achten Start in Trier.

2011

Wieder das große Läuferfest

Im positiven Sinne „the same procedure as every year“: Der 22. Bitburger-Silvesterlauf ist wieder das große Läuferfest mit 10.000 Zuschauern und fast 2.000 Teilnehmern aus 20 Nationen. Alle Zutaten stimmen: Sambamusik, Konfettiregen, packende sportliche Wettkämpfe und nicht zuletzt die hervorragenden Auftritte der Deutschen in den internationalen Klassefeldern. Triers Stadtpatron Petrus hat ein Einsehen und sorgt dafür, dass der Nieselregen rechtzeitig aufhört. Die Sportler danken mit tollen Leistungen bei fast idealen Witterungsbedingungen.

Kurzfristig sagt der Äthiopier Mosinet Geremew zu, wenige Wochen zuvor Sieger des größten afrikanischen Volkslaufs, des Great Ethiopian Run. Geremew läuft erstmals in Europa. Als unbeschriebenes Blatt zwar, aber doch als Geheimfavorit. Denn in der Siegerliste des Great Ethiopian Run finden sich prominente Namen, angefangen beim zweimaligen Olympiasieger Haile Gebrselassie.

Auch wenn Gemerew letztlich souverän den Bitburger-Lauf der Asse gewinnt: der deutsche „Hero“ Arne Gabius zeigt Flagge. Über die Hälfte der Distanz führt der fünfmalige deutsche 5.000-m-Meister und Trierer Vorjahreszweite das Feld an und läuft die beste Zeit eines Deutschen in der Geschichte des Silvesterlaufs, auch wenn er letztlich nur Fünfter wird. 22:45 Minuten für die 8-km-Distanz sind internationale Klasse und weisen Gabius den Weg – ein gutes halbes Jahr später ist er Vizeeuropameister über 5.000 Meter!

Im Sparkassen-Elitelauf der Frauen überzeugen die jungen deutschen Wilden, angeführt von der 20-jährigen Corinna Harrer folgen sie der überlegenen Äthiopierin Almensh Belete auf den Plätzen zwei bis fünf (Harrer, Diana Sujew, Gesa Krause, Anna Hahner). Die dreimalige Siegerin Sabrina Mockenhaupt, oft gefeierter Publikumsliebling in der Trierer Innenstadt, hat den Staffelstab an die Jugend weitergereicht.

2012

Nummer vier für Moses, Premiere für “Coco”

Moses Kipsiro kam zum vierten Mal, siegte zum vierten Mal, und schloss damit zum bisher alleinigen Rekordsieger Daniel Gachara auf. Bereits 2005, 2006 und 2007 hatte der frühere 10.000-m-Afrikameister aus Uganda auf dem Trierer Pflaster gesiegt. Danach fehlte er vier Jahre, einmal wegen seiner Hochzeit, die anderen Male wegen Verletzungen oder Formschwäche.

Die Premiere dagegen bedeutete der Sieg für Corinna Harter, die der dreimaligen Gewinnerin Sabrina Mockenhaupt nach vier gemeinsamen Kilometern auf der letzten Runde der 5-km-Distanz förmlich davonflog. “Coco” sorgte für den insgesamt achten deutschen Frauen-Sieg im 23. Veranstaltungsjahr.

Meist passt das Wetter am letzten Tag des Jahres in dem von vergleichsweise mildem Klima bestimmten Moseltal. Diesmal wurden sogar 15 Grad bei Sonnenschein gemessen. Die Stamm-Moderatoren, ZDF-Chefreporter Wolf-Dieter Poschmann (2013 bereits zum 21. Mal) und Berthold Mertes, Vorsitzender des Silvesterlauf-Vereins, heizten den Läufern mächtig ein – ebenso die zweitgrößte Zuschauerkulisse nach dem Gebreselassie-Jahr 2009. Geschätzt wurden mehr als 15.000 Zuschauer an dem 1-km-Rundkurs, die alles andere als leise auf den ersten deutschen Männer-Sieg seit 1996 (Thorsten Naumann) gehofft hatten. Doch 5000-m-Vizeeuropameister Arne Gabius war als Siebter ein wenig enttäuscht, weil er in den beiden Jahren zuvor als Zweiter (2010) und Fünfter mit “deutschem Silvesterlauf-Rekord” (2011) schon am großen Coup gegen die Afrikaner geschnuppert hatte. Carsten Schlangen feierte bereits zum sechsten Mal in Folge seinen Geburtstag, der auf Silvester fällt, in Trier. Same procedure as every year – aber immer wieder unvergleichlich schön.

 

2013

Die Schlagzeile im Trierischen Volksfreund brachte es auf den Nenner: „Historischer Tag bei traumhaften Bedingungen“ stand in dicken Lettern über dem Bericht zum 24. Bitburger-Silvesterlauf in Deutschlands ältester Stadt. Trier war am 31. Dezember 2013 einmal mehr der Nabel der Läuferwelt.

Die Sonne schien vom Himmel, lockte schätzungsweise 15.000 Zuschauer an den 1-Kilometer-Rundkurs durch die Altstadt – und sie schien auch den deutschen Athleten, die zum erst dritten Mal in der Geschichte der Veranstaltung einen Doppelsieg feierten. Der in Äthiopien geborene Homiyu Tesfaye, dank seines fünften Platzes über 1500 Meter bei der Leichtathletik-WM zu Deutschlands Läufer des Jahres avanciert, sorgte mit sei- nem Husarenstreich vor dem favorisierten Thomas Ayeko aus Uganda gar für den er- sten Männer-Sieg eines Einheimischen seit 17 Jahren. Tesfayes Zeit von 22:38 Minuten: deutscher Rekord über die 8-km-Distanz.

Corinna „Coco“ Harrer verteidigte im Sparkassen-Elitelauf der Frauen über 5 km erfolgreich ihren Titel. Unmittelbar danach dachte die Hallen-Vizeeuropameisterin aus Regensburg schon an das Trier-Triple. Die Hallen-WM und die Freiluft-EM nannte sie kurz nach dem Zieleinlauf auf dem Hauptmarkt als Ziele für 2014, „und zum Jahresabschluss dann der Hattrick in Trier“.

Silvester 2013 hinterließ einmal mehr Hochstimmung: Beim Publikum, das an dem Traumwintertag mit 2000 Trillerpfeifen und 200 Kilo Konfetti wieder einmal für prächtige Atmosphäre sorgte, und bei den mehr als 1700 Teilnehmern im Ziel. Als primus inter pares rief der glückliche Homiyu Tesfaye den Zuschauern bei der Siegerehrung zu: „Vielen Dank, Trier, das war einfach nur geil.“

 

2014

Ein Vierteljahrhundert Silvesterlauf in Trier

Der Anfang – 1990. Die Zeit unmittelbar nach der Wende. Deutschland ist wieder eins. Ein Glücksfall für den gerade aus der Taufe gehobenen Silvesterlauf in Trier. Denn Werner Schildhauer aus Halle an der Saale, Rekordler der wiedervereinigten Nation, kommt für kleines Geld aus dem tiefen Osten der Republik in den tiefen Westen. Er ist Vizeweltmeister über die 10.000-m-Distanz, zu jener Zeit ein Star der internationalen Laufszene, und beschert Trier ein außergewöhnlich großes Medieninteresse für die Silvesterlauf-Premiere. Doch Schildhauers Trainingspartner Olaf Dorow gewinnt. 25 Jahre später ist Dorow einer von drei deutschen Siegern in der Geschichte des deutschen São Paulo. Auf den Rostocker folgten der Mayener Thorsten Naumann (1996) und Homiyu Tesfaye aus Frankfurt (2013). Ansonsten lagen ausschließlich Afrikaner vorne. Zum Silberjubiläum 2014 hat sich Moses Kipsiro aus Uganda mit seinem fünften Erfolg zum alleinigen Rekordsieger gekrönt. 2009 beim 20. Lauf war der äthiopische Weltstar Haile Gebrselassie der umjubelte Triumphator. Unglaublich: Ein Vierteljahrhundert liegen die Anfänge des Silvesterlaufs in Trier zurück. Und doch kommt es denen, die in den ersten Stunden dabei waren, ganz so vor, als wäre es gerade gestern gewesen. Dabei hat sich so viel getan. In der Welt, in Deutschland, in Trier – und selbstverständlich beim Bitburger-Silvesterlauf, der längst wie selbstverständlich den Titelsponsor als Beinamen trägt. Die Bilder, die von der Premiere 1990 im Trierischen Volksfreund gedruckt wurden, waren noch schwarz-weiß. Im Jahr danach war schon das Fernsehen an der Strecke. Seither berichten SWR, ZDF und RTL regelmäßig. Der Hauptmarkt verwandelt sich seit Jahren an jedem Silvestertag in einen Festplatz. Bunt, laut und dominiert von der großen Videowand, die am Kran über den Köpfen der Menschen baumelt und mehreren Tausend Zuschauern in der „guten Stube“ Triers garantiert, nichts von den packenden Entscheidungen zu verpassen. Diesmal war es vor allem der Rekordsieg von Kipsiro, der Trier inzwischen als zweite Heimat empfindet, und das Spurtduell der deutschen Weltklasseläufer Homiyu Tesfaye und Arne Gabius um Platz drei im
8-km-Lauf der Asse. Ein Vierteljahrhundert Weltklasse in Trier ist das eine. Das andere ist längst Kult für Volksläufer: 200 Kilo Konfetti, 2000 Trillerpfeifen und Samba-Trommler garantieren eine Gänsehaut-Atmosphäre, die an den ältesten Silvesterlauf der Welt erinnert, der seit 1925 in São Paulo stattfindet – den Corrida Internacional de São Silvestre. Wir sind das deutsche São Paulo, und wir sind stolz darauf.

2015

Ein überraschender Rekord

Damit haben wir selbst nicht gerechnet und sicherlich auch die wenigsten der vielen Tausend Anhänger des Bitburger-Silvesterlaufs in Trier: nach dem Silberjubiläum 2014 wären wir mit einer rundum gelungenen Veranstaltung zufrieden gewesen, neue Bestmarken waren aber am letzten Tag des Jahres das Sahnehäubchen.
Insgesamt 1.765 Läuferinnen und Läufer erreichten das Ziel. Damit wurde der Topwert von 2009 überboten, damals zweifellos bedingt durch den Haile-Gebrselassie-Effekt. Sicherlich spielte diesmal auch das Wetter mit Temperaturen um die 10 Grad und Sonnenschein mit – Läufer- und Zuschauerherz, was willst du mehr? Dazu trugen auch gut aufgelegte Sportler bei: Angeführt von der Leichtathletin des Jahres, Gesa Krause über den zuvor zweimal in Trier erfolgreichen Olympiadritten Micah Kogo bis hin zum japanischen Marathon-Paradiesvogel Yuki Kawauchi. Aber auch die Rekordbeteiligung im SWT-Bambinilauf, bestens besetzte Volksfreund-Kinderläufe und stimmungsvolle Volksläufe der Frauen und Männer sprechen für sich.
Das LOTTO-Walking eröffnet jedes Jahr das Laufspektakel und die Startgebühren der Walker füllen den Spendentopf, der dieses Mal für die Jugendtreffs des Palais e.V. in Mariahof und Trier-Süd bestimmt war. Herausragende Höhepunkte waren natürlich wie in jedem Jahr der Bitburger-Lauf der Asse und der Sparkassen-Elitelauf der Frauen, diesmal geprägt von Überraschungssiegen junger Äthiopier.
Die Neuerungen haben sich bewährt. Für die Beschallung und die große Videowand, die am Kran über den Köpfen hängt und mehreren Tausend Zuschauern in der „guten Stube“ Triers garantiert, nichts von den packenden Entscheidungen zu verpassen, zeichnete erstmals das Trierer Unternehmen PRO MUSIK verantwortlich.
Wir wollen vor allem DANKE sagen: Den Partnern, die die finanzielle Grundlage der Veranstaltung legen, allen treuen Helfern und Freunden, die bei der Planung, bei Auf- und Abbau mitarbeiten, der Stadt Trier, allen Zuschauern, die jedes Jahr für die gute Stimmung sorgen und in diesem Jahr natürlich ganz besonders: Den zahlreichen Athletinnen und Athleten!
Das zweite Vierteljahrhundert der Trierer Silvesterlauf-Geschichte ist eingeläutet. Wir sind, zusammen mit dem gesamten Team, bereit, auch weiterhin die Weltklasse nach Trier zu holen, den Kult für die Volksläufer zu pflegen und den Nachwuchs zu fördern. Diese Mischung macht es. 200 Kilo Konfetti, 2000 Trillerpfeifen und Samba-Trommler, die eine Gänsehaut-Atmosphäre garantieren, geben dem Ganzen die unverwechselbare Note als „deutsches Sao Paulo“. Bis zum nächsten Mal!

2016

Koko mit Start -Ziel Sieg

Der 27. Bitburger 0,0% Silvesterlauf stand für das gesamte Organisationsteam unter besonderen Vorzeichen. Wir mussten erstmals wegen seiner Erkrankung ohne die jahrzehntelange Erfahrung und das Wissen um die Veranstaltung von Christoph Güntzer, einem der Initiatoren des Trierer Silvesterlaufs, auskommen. Dafür konnten wir uns auf erfahrene Helferinnen und Helfer, treue Sponsoren und Partner und auf den Stadtpatron verlassen, es war mit -3 Grad schon sehr kalt, aber es regnete nicht. Verlassen konnten wir uns auch wieder auf Wolf-Dieter Poschmann, der auf seine unnachahmliche Art bereits zum 25. Mal den Silvesterlauf moderierte. Nach dem Rekordjahr 2015 ging die Teilnehmerzahl auf 1633 zurück, aber auch diese Zahl kann sich sehen lassen, sie wurde bisher nur fünf Mal überboten. Wie üblich eröffnete das Lotto-Walking pünktlich um 13:00 Uhr die Veranstaltung bevor es im SWT-Bambini-Lauf und den Volksfreund-Kinderläufen auf und neben der Strecke lebhaft wurde. In dem wie so oft herausragend besetzten Sparkassen-Elitelauf der Frauen setzte sich mit der U-20-Cross-Europameisterin Korinna (Koko) Klosterhalfen nach 2013 (Coco Harrer) wieder eine deutsche Athletin durch, während den Bitburger-Lauf der Asse der 5000-m-Afrikameister des Jahres 2015, Getaneh Tamire aus Äthiopien, letztlich überzeugend gewann. Bemerkenswert war hier der Dritte Platz von Philipp Pflieger vor Leonard Komon aus Kenia, dem Weltrekordhalter über 10km auf der Straße. Den Sport-Simons-Lauf der männl. Jugend gewann mit Oussama Lonneux erstmals ein belgischer Läufer. Eine weitere Premiere war die Teilnahme von Athleten aus Ruanda, die mit einem dritten Platz im Sparkassen-Elite-Lauf und einem sechsten Platz im Bitburger 0,0% Lauf der Asse auf sich aufmerksam machten. Der Besuch der Gäste aus Ruanda war erst durch die Initiative eines Vereinsmitgliedes möglich geworden. Was neben den Premieren, Siegern und Überraschungen in Erinnerung bleibt, ist der weiterhin ungebrochene Zuspruch der Zuschauer, die Sambatrommeln, der Konfettiregen und die Wunderkerzen, eben alles was zum „Deutschen Sao Paulo“ gehört.